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29 January 2025 morning

2025 - First part-session Print sitting

Sitting video(s) 1 / 1

Opening of Sitting num 5

Debate: Multiperspectivity in remembrance and history education for democratic citizenship

Ms Marianne BINDER-KELLER

Switzerland, EPP/CD

10:32:48

Sehr geehrte Frau Rapporteurin,

Ich danke für diesen Rapport und unterstütze ihn selbstverdändlich.

„Nie wieder“ ist ein Selbstverständnis meiner Jugend. In meiner Familie, mit Eltern, die noch den Krieg erlebten, war der Krieg allgegenwärtig. Die Verarbeitung des Wahnsinns des Dritten Reiches mit 80 Millionen Toten weltweit, die Ermordung politischer Gefangener, der Genozid an jüdischen Menschen, die gezielte Vernichtung von sechs Millionen jüdischen Frauen, Männern, Kindern, senkte sich ins kollektive Bewusstsein. Das Entsetzen war allgegenwärtig und fassungslos las ich, als ich älter wurde, die Protokolle des Nürnberger Prozesses. Aber ebenso fassungslos schaue ich heute auf Europas Straßen und da wird doch tatsächlich geschrien: Tod den Juden. Studierende schreien jüdische Professoren nieder. Jüdische Kinder werden verfolgt von irgendeinem Mob und jüdische Studentinnen und Studenten erleben Feindseligkeiten. Es braucht keine weiteren Aufzählungen. Aber uns allen stellt sich die Frage: Was ist nicht einmal 80 Jahre nach dem Holocaust passiert?

Szenenwechsel. Knapp dreißig Jahre lang war Europa geteilt. Als Kind des Kalten Krieges erlebte ich eine Mauer, die mitten durch Europa ging. Auf der einen Seite die Demokratien des Westens, auf der anderen Seite die sowjetische Diktatur mit den ihr angegliederten Satellitenstaaten. Wer in Berlin vom Osten in den Westen flüchten wollte, wurde an der Mauer erschossen. Und dreißig Jahre später erleben wir in Europa nach dem Mauerfall in Demokratien, in Zeiten mit einer einmaligen Freiheit Strömungen, die einem Autokraten wie Putin huldigen und doch tatsächlich anlässlich des brutalen und völkerrechtswidrigen Überfalls der Ukraine eine Opfer-Täter-Umkehr machen. Die beispielsweise auch den stalinistischen Terror in der Ukraine, den Holodomor vergessen haben und ausblenden. Was ist passiert?

Ich kann so weitermachen. Beispielsweise mit den Podien, auf denen ich sitze mit Leuten, welche endlich Frieden wollen in Europa, aber ihre Forderungen nicht an den Aggressor stellen, sondern an die überfallene Ukraine, dem Angreifer doch zu geben, was er haben wolle. Dann sei dann Frieden. Was für ein Frieden? Wir wissen, wozu Chamberlains Appeasement-Politik geführt hat. Doch auf diesen Podien wird die Geschichte oft komplett ausgeblendet. So erleben wir das in Talkshows, auf den sozialen Medien, Meinung wird zum Faktum, Propaganda zur Gehirnwäsche. 1984, der berühmte Roman von George Orwell lässt grüssen. Die Geschichte wird täglich angepasst und das Individuum verliert die Freiheit. Und deshalb ist genau diese Bildung, die wir jetzt haben müssen, die Rettung gegen diesen Verlust der Freiheit.

Vote: Multiperspectivity in remembrance and history education for democratic citizenship

Ceremony of the commemoration of the 80th anniversary of the liberation of the Auschwitz-Birkenau camp

The sitting is closed at 1:05 p.m.