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mercredi 24 juin 2026 matin

2026 - Troisième partie de session Imprimer la séance

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Ouverture de la séance n°23

Débat: Éliminer les stéréotypes de genre dans les médias

Mme Janina BÖTTGER

Allemagne, GUE, Porte-parole du groupe

10:17:18

Thank you very much. I will speak in German.

Verehrte Kolleginnen und Kollegen, ich danke der Berichterstatterin für ihren Bericht und begrüße die Stellungnahme des Ausschusses ausdrücklich. Dieser Bericht erinnert uns daran, dass die Bilder der Geschlechter nicht nur in den Köpfen entstehen, sondern sie werden auch von Medien gemacht und in digitalen Räumen reproduziert und politisch verstärkt. Das heißt, Medien haben Macht, sie können sichtbar machen, sie können aufklären und verbinden, aber sie können auch zuspitzen, vereinfachen und Konflikte schüren, weil Aufmerksamkeit heute oft die wichtigste Währung ist.

Deshalb brauchen wir eine ernsthafte Debatte über Medien, Plattformen und Bildung. Medienkompetenz, und das generationsübergreifend, bedeutet heute zu erkennen, wie Algorithmen funktionieren. Besonders klar müssen wir auch bei sexualisierter Gewalt sein. Die digitale Welt darf kein Raum sein, in dem Frauen und Mädchen zu Objekten gemacht werden. Europa muss hier zeigen, dass es handlungsfähig ist. Der Digital Service Act ist ein wichtiger Schritt. Plattformen müssen Verantwortung übernehmen, aber Recht muss auch durchgesetzt werden. Schutz darf eben nicht nur auf dem Papier existieren. Wir müssen über die tieferen Ursachen sprechen. Geschlechterbilder entstehen nicht nur durch die Medien, sie entstehen durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Verhältnisse.

Unsere linke Perspektive bedeutet: Die Freiheit eines Menschen hängt davon ab, ob er selbstbestimmt leben kann. Eine gerechte Gesellschaft beginnt deshalb mit Würde, Eigenständigkeit und Sicherheit für Frauen, für Männer, für Familien und Kinder. Und die Unabhängigkeit einer Frau hängt daran, ob sie wirtschaftlich unabhängig sein kann, ob Sorgearbeit gerecht verteilt ist, ob Familien Sicherheit haben. Gleichzeitig dürfen wir nicht ignorieren, dass der aktuelle Rollback bei den Geschlechterbildern mit Krise verbunden ist. Mit einer Krise der Arbeit, mit Krieg, mit Verlust von sozialer Sicherheit. Denn wir leben in Zeiten voller neuer Ungewissheiten.

Und wenn viele Menschen das Gefühl haben, Kontrolle zu verlieren, entstehen Kämpfe um Anerkennung. Manche sehnen sich nach einfachen Antworten, manche suchen vermeintliche Stärke in alten Rollenbildern. Aber die alten Zeiten waren keine guten, sie waren engstirnig, oft brutal und herabsetzend. Wir Frauen, Transpersonen, Schwule und Lesben wollen deshalb nie mehr in alte Zeiten zurück. Und junge Männer brauchen keine falschen Versprechen von Stärke und Dominanz. Wir alle brauchen Perspektiven, sichere Arbeit, Anerkennung und die Möglichkeit, ein gutes Leben aufzubauen. Vielen Dank.

Mme Andrea EDER-GITSCHTHALER

Autriche, PPE/DC, Porte-parole du groupe

10:22:05

Guten Morgen alle und sehr geehrte Frau Präsidentin.

Warum werden immer noch so viele Frauen Friseurinnen statt Technikerinnen? Warum gibt es so wenige Verteidigungsministerinnen und Innenministerinnen? Warum müssen Männer immer stark sein? Wie eine Frau zu leben hat, was ein richtiger Mann zu tun hat, wird uns täglich präsentiert in den traditionellen öffentlichen Medien, Presse, Rundfunk, Fernsehen, aber auch in den modernen Medien wie Online-Plattformen und Social Media. KI-beeinflusste Berichte verstärken diese Klischees und produzieren auch Unwahrheiten. Wir kennen diese sogenannten Deepfakes. Sie alle vermitteln eine Botschaft, die speziell uns Frauen 2026 nicht gerecht wird und uns im Privatleben und in der Öffentlichkeit immer wieder einschränken will. Und die Popularität von den sogenannten Tradwives in den sozialen Medien, die ein idealisiertes, traditionelles Image häuslicher Weiblichkeit porträtieren, ist für mich ein klares Beispiel dafür.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Wir brauchen ein reelles Bild von Familie, positiv unterstützend, fördernd. Wir als EPP fördern und unterstützen Familien. Wir stehen dafür, aber nicht auf diese Art und Weise. Und bei den Männern erzeugen diese Klischees, besonders bei den Jungen, diese schädliche Maskulinität mit all ihren Auswirkungen. Und wir brauchen daher eine Überwindung von diesen geschlechterspezifischen Stereotypen. Statt Frauen auf Fürsorge und Aussehen zu reduzieren und Männer als unverwundbare Macher zu inszenieren, braucht es komplexe Figuren, vielfältige Körperbilder und Rollen, die Normen hinterfragen, redaktionelle Leitlinien, Diversität im Team, geschlechterspezifische Sprache sowie Datenchecks gegen verzerrte Darstellungen und zentrale Hebeln. Und natürlich auch Medienkompetenz beim Publikum, das stärkt die Nachfrage nach differenzierten Inhalten.

Es freut mich sehr, dass wir durch diesen vorliegenden Bericht das Bewusstsein für diese Problematik in den Medien stärken, aufklären und konkrete Maßnahmen auflisten, um gegenzusteuern. Denn Medien können und müssen bei der Überwindung von Klischees eine positive Rolle spielen. Und mir war es ganz wichtig, gerade als ältere Frau, dass wir im Bericht auf die Situationen von älteren Frauen in Werbung und öffentlichen Medien hinweisen. Denn derzeit ist es so, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass ältere Frauen einfach verschwinden von den Bildschirmen. Sie werden nicht weiterbeschäftigt oder werden auch nicht mehr abgebildet. Auch das gehört aufgezeigt, geändert und abgestellt.

Vielen Dank dir, liebe Ms Yevheniia KRAVCHUK und allen, die in diesem Bericht beigetragen haben, dass wir ein Stück weiter kommen. Wir haben diese Arbeit auch im Ausschuss sehr intensiv diskutiert und gewürdigt und ich bitte Sie alle, diesen Bericht zu unterstützen.

M. Malte KAUFMANN

Allemagne, CEPA, Porte-parole du groupe

10:25:20

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen.

Ich muss dem, was meine Vorrednerin gerade gesagt hat, Ms Andrea EDER-GITSCHTHALER aus Österreich, vehement widersprechen. Also ich finde das gerade nicht so, dass Frauen und Männer bestimmte Berufe ausüben oder lernen, weil sie das irgendwie in den Medien gesehen haben, sondern es ist genau umgekehrt. Die Medien bilden einfach die Lebenswirklichkeit ab, die wir hier in Europa haben. Und deswegen wird zum Beispiel auch in den Medien, in Filmen, in Serien eben gezeigt, dass bei den Männern typische Männerberufe einfach ausgeübt werden. Wenn Sie die Zahlen sich anschauen, dann werden Sie feststellen, dass bei Maurern, bei Metallbauern, bei Dachdeckern, bei Elektronikern jeweils über 95 Prozent der dort arbeitenden Menschen eben Männer sind. Und dann gibt es typische Frauenberufe wie zum Beispiel medizinische Fachangestellte, Verkäuferinnen, Gesundheits- und Pflegeberufe. Und das wollen Mädchen, das wollen junge Frauen auch gerne ausüben. Daran ist nichts Falsches. Und wenn es in den Medien so dargestellt wird, dann ist es überhaupt nicht zu kritisieren. Und deswegen lehnen wir auch diese Resolution vehement ab, weil das ein links-grünes Umerziehungsprogramm ist. Hier soll Druck ausgeübt werden auf Medien, auf Filmschaffende, dass eben diese Regenbogenfamilien in den Vordergrund gestellt und betont werden und die klassische Familie madig gemacht wird, wie Kollegin Ms Yevheniia KRAVCHUK ja auch gesagt hat und andere Vorredner schon, dass das irgendwie ein überkommenes Familienmodell wäre, wenn Männer zum Beispiel arbeiten gehen, Frauen sich entscheiden, zu Hause zu sein, für die Familie zu sorgen, kleine Kinder eben nicht gerade gleich abgeben in Kindertagesstätten, sondern liebevolle Mütter zu Hause sind.

Das ist etwas, wofür sich Millionen Familien in Europa entscheiden, und das ist gut so. Und es soll auch in den Medien entsprechend dargestellt werden. Aus zwei Gründen lehnen wir diese Resolution ab. Erstens widerspricht es der Lebenswirklichkeit in Europa in vielen Ländern. Familien, die aus ihrer Überzeugung, aus ihrem christlichen Verständnis heraus auch sich für ein bestimmtes Familienmodell entscheiden. Und zweitens ist es ein Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit. Es soll doch nicht sein, dass wir hier staatlicherseits mit Steuergeldern plötzlich hier Einfluss nehmen mit Erziehungsprogrammen und Gängelung und Beeinflussung, um die Medien in eine bestimmte Richtung zu drücken, zu zwingen, um irgendein ideologisches Programm hier zu propagieren.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich finde das ist wieder mal so ein Beispiel, wo der Europarat sich in eine falsche Richtung entwickelt. Wir halten die Freiheit hoch. Freiheit statt Bevormundung und Gängelung, und deswegen lehnen wir diese Resolution ab. Dankeschön.

Mme Octavie MODERT

Luxembourg, PPE/DC

10:37:19

Vielen Dank, Frau Präsidentin.

In der Tat hat meine Delegation mich eigentlich zum falschen falschen Punkt eingeschrieben. Das macht aber nichts. Ich möchte nämlich auch ganz gerne hier den Report und außerdem den "rapport pour avis" [auf französisch] der beiden Kommissionen und der beiden Berichterstatter unterstützen, die, glaube ich, sehr allumfassend dieses Thema beschreiben, denn das ist ein wichtiges Thema. Man würde ja nicht denken, dass heute noch diese traditionellen oder rückwärtsgerichteten Bilder in den Medien zirkulieren würden, aber es wird fast immer stärker und deshalb ist es sehr wichtig, dass hier der Europarat sich dieses Themas annimmt. Und ich kann die Berichterstatter nur unterstützen.

Ich glaube, heutzutage kursiert auch viel zu viel eine falsche Maskulinität in den Medien und das bringt auch eine große Brutalität sehr oft mit sich. Nicht nur gegen Frauen, sondern gegen auch LGBTQIA+ Gemeinschaften, sondern auch im ganz Allgemeinen in der Gesellschaft. Deshalb ist es auch sehr wichtig, dass wir Medienkompetenz haben, aber dass wir auch Ausbildung in den Medien und der Journalisten sehr unterstützen, dass die ausgleichend ist zu den Konservativen. Sie spielen das so herab dieses Problem, und unterstützen damit das kranke Gebaren von Männern, die es normal finden, ihre Frauen zu schinden oder sie auch nur als untergeordnete Wesen anzusehen und zu behandeln. Das ist nicht unserer Gesellschaft angepasst und Sie sollten das nicht unterstützen. Denn damit bringen Sie nicht nur Spaltung, sondern Sie bringen große Hetze und Brutalität. Ich unterstütze die beiden Berichte. Danke.

Mme Octavie MODERT

Luxembourg, PPE/DC

10:40:28

Ich habe da eigentlich keine Frage gehört, nur eine Bemerkung. Und ich bleibe auch bei meinen Bemerkungen und bei meiner Meinung.

Vote : Éliminer les stéréotypes de genre dans les médias

Débat : Protéger la démocratie contre les perturbations causées par l'intelligence artificielle

Mme Claudia ARPA

Autriche, SOC

11:56:58

Geschätzte Frau Präsidentin, geschätzte Frau Ministerin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen.

Wir haben heute schon viel über die Künstliche Intelligenz gehört und wir wissen, Künstliche Intelligenz verändert unsere Demokratien tiefgreifend. Und der vorliegende Bericht macht deutlich, dass KI aber auch Chancen bietet. Sie kann den Zugang zu Informationen erleichtern, wenn wir wissen, dass sie die richtigen sind, öffentliche Dienstleistungen verbessern und neue Formen von demokratischer Beteiligung ermöglichen.

Gleichzeitig dürfen wir aber die Risiken nicht unterschätzen. Desinformation, Deepfakes und digitale Manipulation bedrohen zunehmend die Integrität des öffentlichen Raumes. Wenn Vertrauen in Fakten, in Medien und demokratischen Institutionen verloren gehen, dann gerät auch das Fundament unserer Demokratie unter Druck.

Besonders wichtig ist mir persönlich der Gleichstellungsaspekt. Künstliche Intelligenz ist ja nicht automatisch neutral. Sie lernt aus Daten, gesellschaftlichen Vorurteilen und Ungleichheiten und widerspiegelt sie auch. Werden diese Verzerrungen nicht erkannt und korrigiert, werden bestehende Nachteile reproduziert und verstärkt. Ich möchte da ganz kurz auf den Arbeitsmarktservice eingehen, weil wir hatten das heute auch schon vorher angesprochen. Weil wir gerade am Arbeitsmarkt sehen, wie wichtig Transparenz ist. Nämlich wenn automatische Systeme über Chancen auf Beschäftigung und Weiterbildung oder beruflichen Aufstieg entscheiden, müssen wir sicherstellen, dass Frauen nicht aufgrund bestehender Vorurteile in den Daten benachteiligt werden.

Deshalb müssen wir Diskriminierung und geschlechterspezifische Verzerrungen in KI-Systemen bekämpfen und Frauen gleichberechtigt an Entwicklungen, Regulierungen, aber auch an Nutzungen dieser Technologien beteiligen.

Gleichzeitig gilt aber auch: Die wirksamste Antwort auf Desinformation, digitale Manipulation ist nicht Angst vor neuer Technologie, sondern ist Bildung, ist Medienkompetenz, kritisches Denken und aus meiner Sicht eine starke demokratische Kultur. Herzlichen Dank.

M. Roland Rino BÜCHEL

Suisse, ADLE

12:03:58

Geschätzte Frau Präsidentin, geschätzte Kolleginnen und Kollegen.

Ich bin als Politiker, bildlich gesprochen, wahrscheinlich einer der letzten Mohikaner. Ich bin auf den sozialen Medien zu 100 Prozent inaktiv und KI benutze ich höchstwahrscheinlich weniger als die allermeisten hier im Saal.

Nun zum Bericht: Er beinhaltet durchaus gute Elemente, nur geht er von einer Annahme aus, die heute, und ich sage, leider zum politischen Konsens geworden ist, nämlich dass Künstliche Intelligenz eine Bedrohung für die Demokratie sei, vor welcher wir unsere Bürger zu schützen hätten.

Geschätzte Damen und Herren, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, seien wir doch nicht so ängstlich. Noch jede größere technologische Innovation hat Ängste ausgelöst. Der Buchdruck, das Radio, das Fernsehen, das Internet wurde jeweils als Gefahr für die öffentliche Ordnung und den demokratischen Diskurs angesehen. Doch sie haben unsere Gesellschaften allesamt offener, informierter und vor allem demokratischer gemacht.

Natürlich kann KI missbraucht werden. Manipulation und Deepfakes sind dabei reale Herausforderungen und sie sind nicht die einzigen. Nur liegt die Gefahr für die Demokratie nicht vielmehr darin, dass wir aus Angst vor Innovation Regeln schaffen, die kein Mensch — und das sage ich bewusst — einhalten kann.

Demokratie lebt nicht nur von Sicherheit, sie lebt auch und vor allem von Freiheit, Wettbewerb und Offenheit. Vor allem aber lebt sie vom Vertrauen in die Urteilsfähigkeit der Bürger und der Kraft von uns Politikern, Kritik von den Bürgern auszuhalten. Auch deshalb sollten wir nicht versuchen, jede denkbare Störung, zum Beispiel durch KI, präventiv zu verhindern. Unser Ziel sollte nicht sein, die Demokratie vor der Zukunft zu schützen. Unser Ziel sollte sein, unsere Demokratien so stark zu machen, dass sie die Zukunft gestalten können. Besten Dank.

La séance est levée à 13h00.