Nächster Sprecher in unserer Debatte ist Mr Axel SCHÄFER aus Deutschland und er spricht im Namen der Gruppe der Sozialisten, Demokraten und Grünen. Herr Axel SCHÄFER, Sie haben das Wort.
Okay, ja.
Herr Präsident,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
vielen Dank auch von meiner Seite an Lord George FOULKES und an Mr Gianni INFANTINO – sowohl für den Bericht als auch für die offene Debatte, die wir hier führen. Ich will das auf drei Punkte konzentrieren.
Das eine ist Fußball und Werte. Es ist manchmal eine schwere Gradwandlung, die wir zu gehen haben – auf der einen Seite, dass der Sport nicht im klassischen Sinne politisch ist; auf der anderen Seite, dass Menschenrecht unteilbar ist. Deshalb ist es für mich wichtig, dass wir sowohl den Verband, als auch die Sportlerinnen und Sportler unterstützen, wenn sie aktiv für Menschenrechte eintreten, sei es auch durch manche symbolische Aktionen vor Ort, vor Spielen, wie das geschehen ist. Das ist ein großer Gewinn auch für den Fußball, weil Menschenrechte – das wissen wir eben – weltweit unteilbar sind. Und ich erinnere genau an dieser Stelle an die Entwicklung, die es auch gegeben hat. Aus meiner Sicht eine positive Entwicklung, bei der Weltmeisterschaft 1978 in Italien, in Argentinien sorry, in Argentinien. In Zeiten der Militärdiktatur wurde in Stadien Fußball gespielt, wo vorher politische Gefangene inhaftiert, malträtiert und misshandelt worden sind. Das schien teilweise überhaupt niemanden von der FIFA zu stören; das ist heute Gott sei Dank anders. Deshalb möchte ich das an diesem Punkt noch mal besonders betonen, was in diesem Bericht nicht immer so deutlich rauskommt, Menschenrechte ist immer auch eine Frage der Praxis. Dazu gehört natürlich als zweites auch die Frage Gleichstellung von Frauen. Als Mr Gianni INFANTINO geboren wurde, 1970, gab es in Deutschland zum ersten Mal Frauenfußball. Vorher war der verboten. Das ist ein großer Fortschritt, deshalb müssen wir auch mehr Beteiligung von Frauen und auch Rektrutierung hinbekommen. Und als letztes; wir sind Patrioten – Patriotismus ist das Gegenteil von Nationalismus. Lasst uns auch bei Fans bei unseren Veranstaltungen immer schauen, dass wir gemeinsam uns freuen bei Feiern und nicht dass es zu feindseligen Angriffen kommt.
Vielen Dank.
(Nicht mündlich gehaltener Redebeitrag, Geschäftsreglement Art. 31.2)
Lord Foulkes hat zusammen mit dem Sekretariat einen wirklich guten Report verfasst. Solche Resultate gibt es, wenn man, erstens, die Materie versteht und, zweitens, versucht, die Position des jeweiligen Gegenübers zu erfassen um dann, drittens, zusammen Lösungen zu finden.
Das bringt mehr, als mit dem Finger auf den andern zu zeigen.
Ich gehe jetzt bewusst nicht auf die Details des Berichts ein. Das haben Lord Foulkes und verschiedene Rednerinnen und Redner schon gemacht.
Wenn der Berichterstatter sowohl in der Kommission als auch heute gesagt hat, dass die Zusammenarbeit mit der FIFA «excellent» war, dann bestätigt sich das, was ich erlebte, als ich zusammen mit dem Kommissionssekretariat den Bericht
«Time to act: Europe’s political response to fighting the manipulation of sports competitions»
verfasste.
Sie erinnern sich: Dieser Bericht, es ging um die Magglinger-Konvention und deren Umsetzung, wurde am 12. Oktober 2020 an einer virtuellen Sitzung des Standing Committees einstimmig angenommen.
Bei dessen Erarbeitung stellte auch ich bei zahlreichen Treffen fest, dass die FIFA, ich müsste wohl eher sagen die «Neue FIFA», die grossen Probleme erkannt hat.
Und sie tut etwas, was wir immer wieder einfordern. Lord Foulkes hat es vorhin auch aufgenommen. Die FIFA setzt auf Frauen! Sie redet nicht davon; sie tut es.
Die Zusammenarbeit mit Personen wie Frau Burkhard oder Frau Tsakona führt zu einer Wirkung im Ziel. Und darum muss es in unserer Arbeit gehen.
Nun zum Bericht und zu den Worten des FIFA-Präsidenten:
Präsident Infantino erwähnte in seiner Rede gemeinsame Ziele FIFA und Europarat. Es sind: Good Governance, Transparenz und Integrität.
Beide Organisationen müssen tagtäglich dafür kämpfen, dass diese gewahrt und gefördert werden.
In unseren Papieren ist zu lesen, dass die FIFA von der Vergangenheit gelernt habe. Sie habe erlebt, wie Sportorganisationen durch korrupte Leute hart getroffen werden können.
Verschiedene Berichte des Europarats machten dieses Problem schon zum Thema.
Etwas zum Schluss – und zu uns selbst: Die parlamentarische Versammlung des Europarats gilt gemeinhin als eine Art Chatterbox, also eine Schwatzbude.
Wir müssen das korrigieren und mit unseren Berichten mehr Wirkung erzielen. Ich wäre deshalb sehr froh, wenn neben Norwegen, Portugal, Ukraine, Moldawien, Schweiz, Italien und Griechenland endlich auch weitere Mitgliederstaaten dieses Europarats die Magglinger Konvention ratifizieren würden.
Wenn wir unsere eigenen Hausaufgaben erledigen, werden wir ernst genommen. Dann werden wir glaubwürdiger. Dann können wir von anderen verlangen, dass sie sich bewegen und Fortschritte machen.